Grüne Jagdverordnung in Hessen geplant

Mit dem Entwurf einer Hessischen Jagdverordnung tritt die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen eine Welle der Entrüstung unter den Jägern und Eigenjagdbesitzern in Hessen los. Der Entwurf ist zum überwiegenden Teil geprägt von Einschränkungen der Jagdzeiten bzw. der gänzlichen Strei-chung von Jagdzeiten, wie auch von erheblichen Beschränkungen in der Fallenjagd.

Das Jagdgesetz selbst, so steht es im Koalitionsvertrag zwischen CDU und Grüne, wird nicht ange-tastet. Allerdings heißt es dort auch, dass die Liste der jagdbaren Tierarten auf ihre Sinnhaftigkeit hin überprüft werden solle.

Baummarder, Iltis, Mauswiesel und Hermelin sollen in Hessen grundsätzlich nicht mehr geschossen werden dürfen, ebenso wenig Rebhühner und Graugans. Stockenten und Feldhasen dürfen nur noch dann erlegt werden, wenn sie in ausreichender Zahl vorkommen. Ob und wann das tatsächlich der Fall ist, soll die Oberste Jagdbehörde nach einem einheitlichen Monitoring-Verfahren festlegen.
Dabei ist nicht auszuschließen, dass an der Bestandserfassung von Enten und Hasen auch die Natur-schutzverbände beteiligt werden könnten.

Die Jagdzeitenregelung des Verordnungsentwurfs ist großteils praxisfern und bleibt in der Sache unbegründet. Am Beispiel von Rebhuhn und Feldhase zeigt sich, dass der Artenschutz bislang ohne verordnete Einschränkungen sehr gut funktioniert hat. Durch Engagement und eine den jeweiligen Bedingungen angepasste Jagd konnten die Bestände von Rebhuhn und Feldhase erhalten und auch gefördert werden. In rund 80 Prozent der Jagdreviere wurden die Feldhasen nicht bejagt. Füchse und andere Prädatoren wie Marder und Iltis müssen hingegen zum Schutz anderer Tierarten bejagt werden können. Es bleibt daher unverständlich, die Jagdzeit auf den Altfuchs einschränken zu wol-len.

Ebenso wenig nachvollziehbar ist das Jagdverbot auf die Graugans, die in der Landwirtschaft regio-nal große Schäden anrichtet. Für Grau-, Bläss-, Saat- und Ringelgänse sieht die neue Verordnung keine Jagdzeit mehr vor. Zwar soll es Sondergenehmigungen zum Abschuss geben, was jedoch mit einem erheblichen Verwaltungsaufwand verbunden sein wird.  Dieser Bürokratieaufbau ist weder praxisnah noch wirklich zielführend. So wurde beispielsweise in den Niederlanden die Jagd auf die Graugans untersagt. Mit der Folge, dass aufgrund unverhältnismäßig hoher Schäden in der Land-wirtschaft rund  400.000 Graugänse gefangen und vergast werden mussten.

Bei aller Kritik gibt es aber auch Positives zu berichten. Im Entwurf wird die Jagdzeit auf den Reh-bock bis 31. Januar festgeschrieben. Damit kommt der Gesetzgeber den Forderungen der Jagd-rechtsinhaber nach, die Jagd auf das Rehwild -insbesondere bei den im Winter stattfindende Bewe-gungsjagden- zu vereinfachen bzw. zielorientierter zu gestalten.
Nach geltendem Jagdrecht ist der versehentliche Abschuss eines Rehbockes im Winter ein Schon-zeitvergehen, das mit Bußgeld belegt wird. Bei den winterlichen Gemeinschaftsjagden führt die Verwechslungsgefahr von Rehböcken, die ihr Gehörn schon abgeworfen haben, mit weiblichen Rehen, die bis zum 31. Januar Jagdzeit haben, oft zu einer eher zurückhaltenden Bejagung des Rehwildes.

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